Trainingsgruppe in den 60er Jahren ganz rechts stehend: Heinz Jussen
Training in der Promenadenschule im Jahr 1971
Die Kindergruppen wuchsen innerhalb zweier Jahre „explosionsartig“ auf 100 Sportler an. Die Kinder- und Jugendarbeit wurde damit sehr schnell das wesentliche Standbein des Jülicher Judoclubs und ist es bis heute geblieben.

Wie alles begann...

© Jülicher Judoclub e.V. - Postfach 2027 - 52404 Jülich
Angelehnt an einen Bericht unseres Gründungsmitglied Heinz Jussen: “Zur Entstehungsgeschichte des Jülicher Judoclubs e. V.“

Wurzeln

Etwas pathetisch ausgedrückt, liegen die Anfänge des Jülicher Judo-Clubs in der Jülicher Arbeiterbewegung, die das gesellschaftliche Leben ihrer Jugend im Falkenheim östlich der Lorsbecker Straße pflegte. Das Falkenheim wurde – nicht nur für junge Arbeiter – immer mehr zum Begegnungsort für junge Jülicher, die sich austauschen wollten und nicht zuletzt auf Grund der sozialen Wärme, die ihnen das hier wohnende Ehepaar Lingens bot.

Aufbau des Judosports in Jülich

Heinz Jussen, von 1955 bis 1959 Bergmann auf der Grube „Emil Mayrisch“ bei Siersdorf, wurde 1961 kurz nach seiner Grundausbildung bei der Polizei des Landes NRW mit der Idee des Judosports im Falkenheim konfrontiert. Über das Ju-Jutsu mit dem Grundhandwerk des Judos vertraut, war er sehr motiviert eine Judogruppe aufzubauen. In den „Jülicher Nachrichten“ wurde inseriert: „Gebrauchte Matratzen für Judozwecke gesucht“. Die Anzeige hatte großen Erfolg und bald standen bergeweise dreiteilige Rosshaarmatratzen zur Verfügung. Noch eine Plane und fertig war 1962 die erste Judosportstätte in Jülich. Als Judoanzüge dienten anfangs vielfach ausgediente Hemden und Trainingsanzüge.
Der nach Aldenhoven verzogene Anton Kupferschläger las ebenfalls diese Suchanzeige. Er war Träger des 2. Dan und lange Jahre als Judotrainer im Ruhrgebiet aktiv gewesen und besaß eine mit Rosshaar gefüllte Judomatte, die - wichtig wegen der notwendigen flexiblen Nutzung des Übungsraums - aufgerollt werden konnte. Seine Absicht, in Aldenhoven einen Judoverein zu gründen, war durch   eine  bei  einem Arbeitsunfall erlittene schwere Knieverletzung zunichte gemacht worden. Um so mehr freute er sich über das Judo-Engagement im Jülicher Falkenheim, dem er "auf die Matte helfen" konnte.

Übungsstätten - Dojos

Das Ehepaar Lingens unterstützte die Judoabteilung bei der Registrierung beim Amtsgericht Jülich als eigenständiger Verein, so dass es ab 1964 dann den Jülicher Judo-Club e.V. gab. Trainer Heinz Jussen übernahm auch das Amt des Ersten Vorsitzenden, dem mit Anton Kupferschläger ein routinierter Trainer zur Seite stand. Mit Adam (Adi) Paul ("Sanitätshaus Paul"), der beim Aachener Judoclub Judo gelernt hatte, kam  bereits 1963 ein weiterer Übungsleiter dazu, so dass das Trainingsangebot von nur freitags auch auf dienstags ausgeweitet werden konnte. Im Juni 1964 richtete der Judoclub mit den Bezirksmeisterschaften der Junioren sein erstes Turnier aus. Bald konnte das Falkenheim den sich nun explosionsartig entwickelnden Sportbetrieb nicht mehr aufnehmen, zumal es hier auch keine passenden Duschmöglichkeiten gab. Ein neuer Übungsraum (Dojo) wurde dringend erforderlich. Als Geschäftsführerin lenkte nun Karin Veldboer - tatkräftig unterstützt von ihrem Mann Werner - die immer umfangreichere Organisation. Die Stadt Jülich bot dem Verein die Sporthalle der Katholischen Volksschule Düsseldorfer Straße an. Auf deren Bühne  wurde die Judomatte zu jedem Training aus- und danach wieder zusammengerollt (Bild rechts). Als die Halle nach ca. zwei Jahren zum Abriss anstand, wurde der über ein weiträumiges Treppenhaus zu erreichende Dachboden der gegenüber liegenden Handelsschule das dritte Dojo des Judoclubs.
In diese Zeit fiel auch die Anschaffung der ersten, in einzelne Segmente zerlegbaren, „modernen“ Judomatte. Damit standen erstmals zwei Trainingsflächen zur Verfügung, die ihren Platz zwischen den gewaltigen Balken der Dachkonstruktion fanden. An der Grundschule in der Promenadenstraße stand dem Club ab 1968 dann wieder eine ordentliche Sporthalle zur Verfügung. Von hier ging es sechs Jahre später weiter in die Sporthalle der Sonderschule in der Düsseldorfer Straße („alte“ Schirmerschule) und von dort „über“ die Straße in die Turnhalle des Westgebäudes des Gymnasiums Zitadelle (damals katholische Grundschule) am Probst-Bechte-Platz, die auch heute noch unser Dojo beherbergt.

Kinder- und Jugendarbeit

Bestanden die Teilnehmer der ersten Stunde hauptsächlich aus Jugendlichen, erweiterte sich die Klientel recht schnell. Im Jahr 1966 wurde bereits dreimal wöchentlich trainiert. Spätestens seit dem dem Übungsbetrieb in der Sporthalle der Grundschule Promenadenstraße mit der dort eingerichteten Kindergruppe, zeigte sich das Interesse vieler junger Eltern, die besonders über das Forschungszentrum (damals KFA) ihren Weg nach Jülich gefunden hatten, an dieser für ihre Kinder besonders passenden Sportart.